Vortrag 2

Lehren aus dem Freiburger Missbrauchsfall: Wie Kinder mit dem „Bundeskooperationskonzept“ besser vor Handel und sexueller Ausbeutung geschützt werden
Dr. Dorothea Czarnecki, ECPAT Deutschland e.V.

6. Februar, 16:15 Uhr

Ein neunjähriger Junge aus dem Breisgau wurde jahrelang sexuell missbraucht, zur Herstellung von Missbrauchsdarstellungen benutzt und im Darknet gehandelt und verkauft.
Die Gerichte, das Jugendamt und Polizei in Freiburg weisen die Verantwortung von sich. Angesicht der tragischen Chronologie des Falls lässt sich ein Behördenversagen allerdings nicht wegdiskutieren.
Der Fall zeigt deutlich die Defizite des deutschen Hilfesystems auf: Zu wenig gegenseitige Abstimmung, kaum Datenaustausch und mangelnde Kommunikation der Behörden, keine Kooperation zwischen den Akteuren. Dieser Fall beweist die Notwendigkeit, Fachkräfte zu schulen. Denn es braucht ein spezifisches Fachwissen, um das ausbeuterische System “hinter” dem sexuellen Missbrauch zu erkennen.
Nur durch eine interdisziplinäre und koordinierte Einschätzung der Situation möglicher Betroffener sind minderjährige Opfer von Menschenhandel zu erkennen und bedarfsgerecht zu versorgen. Daher erarbeitete ECPAT e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bund-Länder Arbeitsgruppe Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung ein Bundeskooperationskonzept. Dieses gibt Empfehlungen für eine koordinierte, vertrauensvolle und am Kind orientierte Zusammenarbeit von Jugendamt, Polizei, Gerichten, Staatsanwaltschaft, Fachberatungsstellen für Betroffene des Menschenhandels und weiteren Akteuren zur Identifizierung und zum Schutz von Opfern von Kinderhandel, und listet Indikatoren zur Opferidentifizierung auf. Dr. Dorothea Czarnecki erläutert das Kooperationskonzept und stellt insbesondere die Handlungsorientierungen für einzelne Berufsgruppen vor.

Vortrag 1

Täglich Kinderpornographie – Belastungssituation
und Copingstrategien der Ermittler*innen im Umgang mit Missbrauchsdarstellungen
Gerlind Kirchhof, Sozialwissenschaftlicher Dienst der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen

6. Februar, 15:45 Uhr

Das Darknet besteht mehr oder weniger seit dem Jahr 2002. Es ist eine internationale und anonyme Plattform für den Handel mit illegalen Waren wie z.B. Waffen, Drogen, Gewaltvideos und Kinderpornografie (vgl. Pursche & Widder, 2013). Insbesondere die Datenmenge im Bereich Kinderpornografie steigt gegenwärtig exponentiell.
Neben der erheblichen Datenmenge ist die tägliche Konfrontation mit den unzähligen Arten sexueller Perversionen, Vergewaltigungen und z.T. massiver Gewalt gegen Kinder und Erwachsene eine emotionale Herausforderung für die polizeilichen ErmittlerInnen.
2015 wurde der Sozialwissenschaftliche Dienst der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen vom niedersächsischen Innenministerium beauftragt eine psychologische Studie durchzuführen. Ziel der Studie war es, die entstehenden Belastungen zu spezifizieren und das Coping sowie die Entlastungsmöglichkeiten der ErmittlerInnen zu identifizieren.
Ergebnis der Studie:
Auf der einen Seite können eher keine signifikanten Steigerungen von sekundärem traumatischem Stress oder Burnout gemessen werden. Auf der anderen Seite berichten die ErmittlerInnen von vielfältigen Veränderungen bzgl. ihres Umgangs mit Kindern, in ihren Partnerschaften und zu einem geringen Anteil auch in Bezug auf ihre Sexualität.
Die ErmittlerInnen, welche ihre Arbeit als bedeutsam und sinnhaft wahrnehmen, sind offenbar am gesündesten. Ein Befund der in guter Übereinstimmung zu dem Modell der Salutogenese (Antonovsky, 1987) steht.

Fachvorträge

7. Februar

09:00 Uhr

Das Broken-Web-Phänomen als Erklärungsansatz für onlinebasierte Sexualdelikte
Thomas-Gabriel Rüdiger
Kriminologe am Institut für Polizeiwissenschaft der
Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg

09:30 Uhr

Online-Grooming – Zum Bedarf einer Strafbarkeit des Versuchsdelikts
Rainer Franosch, Justizministerium Hessen

10:00 Uhr

Fighting Child Sexual Abuse Online – An Analysis
of the Past, Present and Future of Project Sweetie 2.0
Hans Guijt, Terre des Hommes Netherlands

10:30 Uhr

11:00 Uhr

Fragerunde

Kaffeepause

11:20 Uhr

„Mein Missbrauch steht im Netz“ – eine
Betroffenenperspektive und mögliche Lösungen
Ingo Fock, gegen-missbrauch e.V.
Julia von Weiler, Innocence in Danger

11:50 Uhr

Troubled Desire – Internetbasierte Strategien zur
verursacherbezogenen Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs
Maximilian von Heyden, Institust für Sexualwissenschaft
und Sexualmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin

12:20 Uhr

13:00 Uhr

Fragerunde

Mittagessen und Ende des WhiteIT Symposiums

Anschließende Teilnahme am Europäischen Polizeikongress möglich

Fachvorträge

6. Februar

Voraussgehende Teilnahme am Europäischen Polizeikongress möglich

15:45 Uhr

Täglich Kinderpornographie – Belastungssituation
und Copingstrategien der Ermittler*innen im Umgang mit Missbrauchsdarstellungen
Gerlind Kirchhof, Sozialwissenschaftlicher Dienst der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen

16:15 Uhr

Lehren aus dem Freiburger Missbrauchsfall: Wie Kinder mit dem „Bundeskooperationskonzept“ besser vor Handel und sexueller Ausbeutung geschützt werden
Dr. Dorothea Czarnecki, ECPAT Deutschland e.V.

16:45 Uhr

Potential der Fallzahlsteigerung bei der Fahndung nach kinderpornografischen
Daten im Internet durch internationale Zusammenarbeit
Kriminaloberrat Manuel Klughardt, Bayerisches Landeskriminalamt

17:15 Uhr

18:00 Uhr

19:30 Uhr

Fragerunde

Networking

Buffet

Podiumsdiskussion

6. Februar

Voraussgehende Teilnahme am Europäischen Polizeikongress möglich

14:40 Uhr

Vernetzten Missbrauch vernetzt verfolgen:
Bekämpfung von Kindesmissbrauch und Cybercrime im Internet

Grußwort

Johannes-Wilhelm Rörig
Unabhängiger Beauftragter für Fragen des
sexuellen Kindesmissbrauchs

Moderation:

Cornelia Wurm
CSR-Kommunikation, Swiss Life Deutschland

Teilnehmer*innen:

Cathrin Bauer-Bulst
stellvertretende Leiterin Cyberkriminalität,
Generaldirektion Migration und Inneres, Europäische Kommission
Prof. Dr. Dr. Klaus M. Beier
Direktor des Institust für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Andrea Möhringer
Geschäftsführerin, World Childhood Foundation
Steven Wilson
Leiter des European Cybercrime Centre EC3, Europol