Das Broken-Web-Phänomen als Erklärungsansatz für onlinebasierte Sexualdelikte
Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe am Institut für Polizeiwissenschaft der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg

7. Februar, 09:00 Uhr

Der digitalen Raum ist geprägt durch die onlinebasierte Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen über physische Grenzen hinweg. Dies bedeutet auch, das Kinder mit unbekannten Erwachsenen und anderen Minderjährigen in den unterschiedlichsten sozialen Medien in Kontakt kommen, ohne dass es eine grundlegende gesellschaftliche Diskussion zu diesen Umstand gegeben hat. Die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich vor allem im Deliktsfeld Cybergrooming. Denn auf der einen Seite steht grenzenlos agierenden Tätern keine gleichwirksame globale Normenkontrolle im digitalen Raum entgegen. Dies spiegelt sich in Deutschland unter anderem in dem Umstand wieder, dass einem geringen Hellfeld mit einer hohen Aufklärungsquote ein nach unterschiedlichen Studien sehr großes Dunkelfeld gegenüber steht. Entsprechend gering erscheint die Strafverfolgungswahrscheinlichkeit und damit die Angst der Überführung bei den Tätern.  Auf der anderen Seite entwickelt sich Cybergrooming auch immer stärker zu einem Delikt, dass durch Kinder und Jugendliche selbst begangen wird. Dies mag auch bedingt sein durch eine gegenwärtig nur rudimentär vorhandene Vermittlung von digitalen Kompetenzen und Normen an Kinder durch Eltern oder schulische Bildungsträger.
Der Broken Web Ansatz überträgt hierbei die Konzepte der Routine Acitivity und Broken Windows Theorien auf den digitalen Raum und beschreibt damit die Situation, dass massenhaft begangenen digitalen Delikten keine entsprechend effektiven kontrollierenden Faktoren entgegengesetzt werden, was die Hemmschwelle zur Begehung von Delikten senken kann.

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